Informationen über das Forschungsprojekt
Diskriminierung in Deutschland
Auch nach Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) im Jahr 2006 bleiben viele Fragen im Bereich des Antidiskriminierungsrechts in Deutschland offen. Welche Diskriminierungsmuster bestehen in Deutschland tatsächlich? In welchen Lebensbereichen treten Diskriminierungen auf? Welche Personen sind wie häufig von Diskriminierungen betroffen? Wie häufig werden in den verschiedenen Gerichtszweigen Fälle mit AGG-Bezug behandelt? Angesichts der beschränkten Datenlage basieren Diskussionen über solche Fragen oft auf Behauptungen und Vermutungen, nicht aber auf empirischen Fakten.
Forschungsprojekt
Zur Erforschung der gesellschaftlichen Realität von Diskriminierung führt das Institut für Rechtssoziologie und Rechtstatsachenforschung an der Freien Universität Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Hubert Rottleuthner zusammen mit Prof. Dr. Matthias Mahlmann (Rechtswissenschaftliches Institut der Universität Zürich) eine empirische Studie zu dem Thema "Realität der Diskriminierung in Deutschland - Vermutungen und Fakten" durch. Das Forschungsprojekt wird von der Europäischen Kommission im Rahmen des PROGRESS Programms, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Freien Universität Berlin gefördert.
Ziel des Forschungsprojekts ist es, für verschiedene Sozialbereiche ein realistisches Bild der Arten und Häufigkeit von Diskriminierungen und Diskriminierungsmustern zu ermitteln.
Forschungsdesign
Um die Situation in Deutschland möglichst wirklichkeitsnah zu erfassen, wird nicht nur die Rechtsprechung zum Antidiskriminierungsrecht ausgewertet, sondern es werden RichterInnen, RechtsanwältInnen, Antidiskriminierungsstellen und Verbände zu ihren Erfahrungen mit Diskriminierungsfällen befragt.
Gerichtsumfrage
Dabei soll die Befragung der RichterInnen aufzeigen, welche ersten Erfahrungen an den Gerichten mit dem AGG gemacht wurden und welche Aufschlüsse diese Erfahrungen über bestehende Problemlagen erlauben.
Befragung von RechtanwältInnen und Verbänden
Die Erfahrungen von RechtsanwältInnen sowie von Antidiskriminierungsstellen und Verbänden in der täglichen Beratungspraxis sind besonders wichtig, da vermutlich nur eine geringe Anzahl von Diskriminierungsfällen auch tatsächlich zu Gerichtsverfahren führt.
Um Informationen über diese Einzelfälle zu erhalten, werden AnwältInnen interviewt, die auf Kläger- oder Beklagtenseite mehrere antidiskriminierungsrechtliche Fälle bearbeitet haben. Die semi-strukturierten Interviews enthalten sowohl quantitative als auch qualitative Elemente. Untersucht werden neben den betroffenen Diskriminierungsmerkmalen und Lebensbereichen auch das weitere anwaltliche Vorgehen sowie die Faktoren, die die Entscheidung für oder gegen ein rechtliches Vorgehen beeinflussen, beispielsweise die wahrgenommenen Erfolgsaussichten.
Gesetzeslage
Darüber hinaus wird in der Studie die aktuelle Gesetzeslage in Deutschland auf weiterhin bestehende diskriminierende Regelungen hin analysiert.
Medienanalyse
Im Rahmen einer Medienanalyse wird untersucht, in welchem Umfang und auf welche Weise meinungsbildende Tageszeitungen das Thema Diskriminierung behandeln. Die Relevanz wird unter anderem anhand von Themenkonjunkturen analysiert. Des weiteren sollen aber auch konkrete Diskriminierungsfälle gesammelt und mögliche Akteure als AnsprechpartnerInnen für eine weitere Datenerhebung und Auswertung ausfindig gemacht werden. Methodisch handelt es sich bei der Medienanalyse um eine Inhaltsanalyse der deutschen Tagespresse (Printausgaben). Während des Untersuchungszeitraumes werden alle relevanten Artikel systematisch selektiert, archiviert und anhand von unterschiedlichen Variablen codiert. Relevant ist ein Artikel dann, wenn er eines der zu untersuchenden Merkmale behandelt, also Alter, Behinderung, ethnische Herkunft, Religion, Weltanschauung und/oder sexuelle Identität ggf. auch in Verbindung mit dem Merkmal Geschlecht und zwar unabhängig davon, ob ein konkreter Diskriminierungsfall geschildert oder abstrakt über Gruppen, die von Diskriminierung betroffen sind, berichtet wird.
Analyse vorhandener Untersuchungen
Vergleich empirischer Studien zum Thema Diskriminierung.
Abschlussbericht
Der Abschlussbericht erscheint im Mai 2011 beim Nomos-Verlag.
Weitere Informationen finden Sie hier.



